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Künstlerstipendium Willingshausen

Die Willingshäuser Malerkolonie ist die älteste Malerkolonie Europas. Sie wurde um 1830 von Gerhardt von Reutern begründet und erlebte im 19. und frühen 20. Jahrhundert ihre Blütezeit. Zahlreiche namhaften Künstler wie z.B. Ludwig Emil Grimm, Carl Bantzer, Jacob Dielmann, Otto Ubbelohde, Wolfgang Zeller, Ludwig Knaus, Wilhelm Thielmann oder Adolf Lins verweilten in Willingshausen. An diese historische Tradition knüpft das Künstlerstipendium, welches seit 1996 durch die : Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, SV Sparkassen-Versicherung, Kreissparkasse Schwalm-Eder, Art regio (Ein Kulturengagement der Sparkassenversicherung), dem Schwalm-Eder-Kreis und der Gemeinde Willingshausen getragen wird. Jährlich werden zwei Stipendien mit einer Aufenthaltsdauer von jeweils 3 Monaten im Malerdorf Willingshausen vergeben. 

 

Die Stipendiaten wohnen im denkmalgeschützten "Hirtenhaus" .Atelier und Ausstellungsraum bietet das künstlerische Zentrum des Gerhardt-von-Reutern-Haus mitten im Ort. Das Künstlerstipendium knüpft in eigener, innovativer Weise an die Künstlerkolonie an. Die Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Rolle in der Kunstgeschichte, die relative Abgeschiedenheit der ländlichen Region sowie unmittelbare Kontakte und Begegnungen mit kunstinteressierten Menschen sind besondere Merkmale dieses Stipendiums. Es unterstützt und fördert besonders begabte junge Künstlerinnen und Künstler, indem es einerseits gute Rahmenbedingungen für kreatives Arbeiten bietet, andererseits mit einer Ausstellung und einem Personalkatalog erstmals größere Öffentlichkeit herstellt und neue Möglichkeiten des Zugangs zu Sammlern, Galerien und zu weiteren Förderungen erschließt.

Künstlerstipendianten 2017

44. Stipendiantenausstellung „Heimatkörper“ von Joey Arand

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27. April-28. Mai 2017

In der Kunsthalle Willingshausen eröffnet das „Arbeitsstipendium Willingshausen“ die Ausstellung „Heimatkörper“ von Joey Arand, die das 44. Stipendium mit großem Engagement absolviert hat. Dazu schreibt Kurator Bernhard Balkenhol:

 

„Heimat“ ist eigentlich etwas ganz Persönliches. Sie stellt sich als Gefühl, als Identifikation mit der Familie, dem Ort der Geburt und des Aufwachsens, dem Land und dessen Landschaft, der Sprache und Kultur, der eigene Lebensgeschichte, Erinnerungen und Erwartungen. nur im Einzelnen her. Deshalb nennt Joey Arand, die sich dieses Thema für ihren dreimonatigen Aufenthalt in der Künstlerkolonie vorgenommen hat, auch „Heimatkörper“. Gleichwohl ist „Heimat“ auch ein ideologischer Begriff, der oft missbraucht wurde und wird.

 

Joey Arand geht „den Weg zur Heimat“ noch einmal nach und beginnt deshalb im Kinderzimmer. So macht sie Spiele-Teppiche und Krabbeldecken, wie sie jeder kennt, zu einem „Spielplatz“ unterschiedlichster Fragestellungen. „Wo wohne ich? Was sind meine Markierungspunkte? In welchen Beziehungen stehen sie und zu wem? Was für Bezugssysteme sind das dann? Und wie intensiv nehme ich sie wahr? Welche Werte bauen sich auf und zeigen sich? Was ist sichtbar und was unsichtbar oder vielleicht sogar tabu?

 

Joey Arand kam als „Fremde“ nach Willingshausen. Im Gepäck hatte sie: „meine Heimat ist Karlstadt“. Mit einem Vergleich Karlstadt – Willingshausen beginnt die Ausstellung auch. Aber im ersten Spiel schon ersetzt sie die kindliche Motivik der Spiele-Teppiche durch Satellitenbilder aus dem Internet. Die Spielfiguren, die sie mit Kindern aus Willingshausen hergestellt hat, sind keine Stellvertreter-Püppchen sondern stellen bereits typische Situationen dar, in denen die Kinder „sich zu Hause fühlen“. Ihre Figuren dagegen stellen Szenen dar, die sie im Dorf gehört und wahrgenommen hat. Diese Spiele von Joey Arand sind keine Würfelspiele, es geht nicht um Gewinnen oder Verlieren, sondern um das Markieren der eigenen Verknüpfungen mit farbigen Fäden oder bunten Klebepunkten. Die Regeln des Spiels sind also ein Recherchieren, Nachdenken und Feststellen des eigenen, sehr persönlichen Bezugssystems, ein Wahrnehmen und Ernstnehmen des eigenen „Heimatkörpers“ – und ein gemeinschaftlicher Austausch darüber. Zwar hängen die Teppiche an der Wand wie Bilder, sie sollen aber abgenommen werden, um damit gemeinschaftlich auf dem Boden zu „spielen“.

 

Wie man seiner Heimat nicht entkommen kann, sagt Joey Arand, „soll auch niemand aus dieser Ausstellung rausgehen, ohne mitgespielt zu haben“. Denn erst dadurch entsteht die Ausstellung als ein durch die Besucher hergestelltes Kartogramm – oder als das Röntgenbild des „Heimatkörpers“.

 

Joey Arand macht also keine Bilder, sondern schafft Situationen, in denen partizipatorisch Bilder entstehen. Ihre Kunst ist Forschung. Sie reist sehr gerne, aber nicht um Urlaub zu machen, sondern um neue, andere Menschen und ihre Kulturen kennenzulernen. So hat sie Monate auf der französischen Insel Réunion, in Indien und im Iran verbracht. Immer hat sie dort existentielle Themen aufgenommen, an denen sich Grundwerte des kulturellen Verhaltens formulieren. Im Iran war es das Kopftuch oder vielmehr das verborgene Haar, das sie in intimen Frauenporträts diskutierte. Im Rahmen der Ausstellung „im Dickicht der Haare“ in der Grimmwelt Kassel hat sie letztes Jahr anknüpfend aus den Haaren von Besucher/innen Fäden gesponnen, aus denen sie dann ein „Haartuch“ gewoben hat. Joey Arand recherchiert immer sehr intensiv und genau, so dass ihre künstlerischen Arbeiten, meist Fotografien und Filme, aber auch Installationen, ihre Kraft und Poesie aus dokumentarischem Material entwickeln. Ihre jüngste Arbeit ist der 60-minitüge Dokumentarfilm „Gebär_Mütter“, der sich mit Leihmutterschaft in Indien auseinandersetzt.

 

Zu der Künstlerin:

Joey Arand, 1990 in Karlstadt geboren, studierte Film bei Jan Peters und Volko Kamensky sowie Trickfilm bei Martina Bramkamp an der Kunsthochschule Kassel. Seit April 2017 ist sie Meisterschülerin bei denen. 2013/14 erhielt sie ein Reisestipendium des Deutsch-Französischen Jugendwerks, das sie auf die Insel Réunion führte, 2015/16 Hessische Filmförderung, 2016 Reisekostenunterstützung der Universität Kassel (SHOSTA) für das Projekt „Gebär_Mütter und das Otto-Braun-Abschluss-Stipendium. Sie war mit ihren Filmen u.a. vertreten auf dem Kasseler Dokumentarfilm und Videofest, dem Hessischen Hochschulfilmtag, dem GoEast Wiesbaden und im Filmmuseum Frankfurt. Den 1.Platz des Bundesjugendfestival Film 2015 erhielt sie für „Video der Generationen“, den 1.Platz der Jugendstiftung Mainspessart 2016 für das Projekt „Haartuch“. Seit 2015 sind Ihre Arbeiten auf Ausstellungen zu sehen, u.a. in Kassel, Hamburg und Hannover. Joey Arand lebt und arbeitet in Kassel.

 

Zum Arbeitsstipendium in der Künstlerkolonie Willingshausen:

Das Arbeitsstipendium in der Künstlerkolonie Willingshausen wird getragen von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, dem Kulturförderprogramm der SV SparkassenVersicherung, der Kreissparkasse Schwalm-Eder, dem Schwalm-Eder-Kreis und der Gemeinde Willingshausen. Es beinhaltet je drei Monate Arbeitsaufenthalt mit Wohnung, Atelier und einer finanziellen Unterstützung, die Ausstellung der Ergebnisse der entstandenen Arbeiten in der Kunsthalle des Gerhardt von Reutern-Hauses in Willingshausen und eine Unterstützung für die Produktion eines Katalogs.

 

Passend zu den Spielteppichen hat die Künstlerin Joey Arand auch kleine Figuren in der Töpferei Erbe hergestellt. Jede der Figuren erzählt eine kleine Geschichte über das Leben auf dem Dorf.

Joey Arand

Joey Arand

Exposé für das Arbeitsstipendium für Künstler/innen in Willingshausen

 

»Die Fremde ist herrlich, solange es eine Heimat gibt, die wartet«

(Erika Mann)

 

In vielen meiner Arbeiten thematisierte ich bereits die „Fremde“ und die sogenannte „Heimat“ - einen Begriff, der sehr typisch deutsch ist, in anderen Sprachen aber noch nicht einmal existiert. Mich persönlich beschäftigt das Thema, weil ich gerne und viel reise und es interessant finde, welche veränderten Sichtweisen Ortswechsel auslösen.

 

Wenn ich meine eigene Heimatstadt als Teppich darstellen müsste, würde ich das gerne, rückblickend auf meine Kindheit, in Form eines Spielteppichs tun. Das sind flache, mattenartigen, geknüpfte oder bedruckte  Teppiche, auf denen Kinder spielend Autos und Figuren hin und her schieben können. Der Teppich würde meinem Gefühl nach mit Straßen und Orten meiner Kindheit „bespielt“ werden, naiv, bunt, harmlos und voller sich kreuzender Wege, symbolisch für die Menschen, Orte und Situationen, auf die ich getroffen bin.

 

Aus dieser Vorstellung eines eigenen Teppichs heraus entwickelte ich die Idee, mehrere Teppiche herzustellen, allerdings nicht nur alleine, sondern in Kontakt mit anderen Menschen. Als Grundlage recherchierte ich bereits viel über die Herstellung von Teppichen und deren Geschichte und ließ mir während meines Studiums in der Textilwerkstatt der Kunsthochschule mehrere Techniken beibringen, wie man Teppiche knüpfen, weben oder taften kann.

 

In Wilingshausen würde ich gerne meine Arbeit mit einer Werkschau von meinen bisherigen Arbeiten beginnen, die mit Heimat und Fremde zu tun haben, um das Gespräch von vornherein öffentlich zu führen. Danach würde ich gerne mit Kindern Teppiche entwickeln, die ihre Heimat darstellen, und mit Erwachsenen in Kontakt treten, die auf Ebay-Kleinanzeigen ihre Teppiche verkaufen.

 

Schwerpunkt meiner Arbeit wird sein, meine persönlichen Teppiche zu meinen jeweiligen Heimaten zu erstellen.

 

 

Joey Arand studierte bei Volko Kamensky und Prof. Jan Peters (Klasse Film und bewegtes Bild) sowie bei Prof. Martina Bramkamp (Trickfilmklasse), beschäftigt sich aber auch mit anderen Medien. Die meisten ihrer Arbeiten handeln von gesellschaftlichen Themen, häufig mit einem Augenzwinkern

 

Ausstellungen (Auswahl):

„Wer schön sein will...“ bei „zu Gast im Präsidium“ der Universität Kassel (2017); „haarig“ im „Hinterconti“ in Hamburg (2016);  „Wartezimmer“ bei der Ausstellung „Examen“ in der Documentahalle Kassel (2016);  „Widernatürlich? Widersprüchlich! Reproduktive Rechte im Kontext von Technologien“ mit dazugehörigem Workshop bei der Bundesfrauenkonferenz der Grünen in Hannover (2016); „Haartuch“ im Rahmen der Ausstellung „im Dickicht der Haare“ in der GrimmWelt Kassel (2016)

Filmfestivals (Auswahl):

„Altern“ (2016): Kunstmesse in der Documentahalle, DokFest Kassel, Hessen Talents Berlin; „Iran“ (2015): Hessischer Hochschulfilmtag Kassel, GoEast Wiesbaden, Filmmuseum Frankfurt;

„Victoire“ (2014): Dokfest Kassel, EDGE/ Genf, Bundesjugendfestival Film

Preise (Auswahl):

1. Platz „Justi“ der Jugendstiftung Mainspessart (2016)

1. Platz „Video der Generationen“ des Bundesjugendfestival Film (2015)

Stipendien / Projektförderungen:

Otto-Braun-Stipendium (2016); Reisekostenunterstützung SHOSTA der Universität Kassel (2016); Hessische Filmförderung (2015/ 2016); Reisestipendium des Deutsch-Französischen Jugendwerks (2013/14)

 

 

 

Robert Sturmhoevel

Robert Sturmhoevel

Exposé für das Künstler/innen Stipendium Willingshausen 2017

 

Kurze Stellungnahme

 

Wer sich mit meiner bisherigen Arbeit auseinander setzt, wird bemerken, dass außergewöhnliche Orte einen gewissen Reiz bei mir auslösen. Es beginnt immer mit einer aufmerksamen Beobachtung und einer anschließend tiefen Auseinandersetzung, bis ein Punkt erreicht wird, bei dem mein Drang, erzählerisch zu intervenieren, jene Orte zu einem Teil meiner Bildwelten werden lässt. So entstehen in fragmentierenden Arbeitsprozessen großformatige Erzählungen, serielle Bildfolgen oder auch malerische Objekte.

 

Ich forsche dabei an einer alternativen Bildsprache, die sich auf den ersten Blick weder in dem erzählten Motiv noch in der begrifflichen Diskussion um (Ab)Bildhaftigkeit vollständig verorten lässt. Meine Bilder provozieren damit eine Zwiesprache mit dem Gegenüber, weil sie von einem offenen Widerspruch zwischen Illusion des Gegenstandes (Motivs) und einer malerischen Setzung leben. Ich würde mich selbst in dieser Arbeitsweise durchaus als modernen Romantiker bezeichnen.

 

Ich konnte mir dank vergangener Besuche bereits ansatzweise ein Bild von Willingshausen machen und will sagen, dass es mich sehr reizt, hier für eine gewisse Zeit zu arbeiten. Wie sich meine Arbeit entwickeln wird, kann ich im Vorfeld aber nicht sagen. Es wird sehr davon abhängen, was ich vor Ort und im Leben dort entdecke und was davon ich – malerisch transformiert - erzählen will.

 

Darüber hinaus werde ich im Januar 2017 zum ersten Mal Vater und hatte mich bereits darauf eingestellt, meine künstlerische Arbeit ein wenig zurückzustellen. Ein Aufenthalt in Willingshausen wäre für mich jedoch die optimale Gelegenheit, sowohl Arbeit als auch Familie miteinander vereinbaren zu lernen, was mich sehr freuen würde.

 

>> Portofolio

Das Künstlerstipendium wird unterstützt von:

Das Arbeitsstipendium in der Künstlerkolonie Willingshausen wird getragen von der >Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, art regio – einem Kulturengagement der Sparkassenversicherung, der >SV SparkassenVersicherung, der >Kreissparkasse Schwalm-Eder, der Gemeinde Willingshausen und dem >Schwalm-Eder-Kreis. Es beinhaltet je drei Monate Arbeitsaufenthalt mit Atelier und Wohnung, die Ausstellung der Ergebnisse der entstandenen Arbeiten in der Kunsthalle des Gerhardt-von-Reutern-Haus in Willingshausen und eine Unterstützung für die Produktion eines Katalogs.

 

 

 

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